Systemische Familientherapie

Obwohl es den Wissenschaftlern heutzutage aufgrund der wachsenden Vielfalt an Formen menschlichen Zusammenlebens kaum noch gelingt, sich auf eine Definition zu einigen, was nun eigentlich eine Familie ist, dürfte kaum infrage zu stellen sein, dass nirgends sonst zwischenmenschliche Beziehungen eine so existentielle Bedeutung für die Entwicklung von Menschen und einen so unmittelbaren und prägenden Einfluss auf ihr Selbstbild, ihr Erleben, ihre Wertvorstellungen und ihr Handeln haben, wie innerhalb einer Familie. Diese Erkenntnis war in der Mitte des letzten Jahrhunderts grundlegend für die Entwicklung der Systemischen Therapie.

Die Auffassung, dass die Entstehung psychischer Leiden damit zusammenhängt, wie sich die Beziehungen und die Kommunikation in einer Familie gestalten, hat zur Entwicklung sehr wirkungsvoller Interventionen unter Einbeziehung von Familienangehörigen in der Psychotherapie geführt. Diese finden heute vor allem Einsatz in der Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in Schulen, Familienberatungsstellen und überall dort, wo es um die Entwicklungsförderung von Kindern geht, nicht zuletzt, weil gerade Kinder und Jugendliche in weit größerem Maße durch ihre Familienbeziehungen beeinflusst sind, als Erwachsene. Wenn Kinder und Jugendliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen, kann dies oft ein Hinweis sein, dass innerhalb der Familie, häufig unbewusste, problematische Beziehungsmuster bestehen. Aber auch in der Therapie Erwachsener hat sich die Systemische Familientherapie als erfolgreiche Behandlungsmethode bewährt.

In der Systemischen Familientherapie sind in der Regel mehrere Familienangehörige an einer Sitzung beteiligt. Die familiären Beziehungsmuster werden vor dem Hintergrund generationsübergreifender Beziehungserfahrungen reflektiert, neue Perspektiven auf diese Beziehungsmuster sowie auf das Problem generiert und die Bewältigungsressourcen der Familie identifiziert, wodurch sich neue Umgangsformen mit dem Problem und Lösungsansätze finden lassen. Diese können dann, unterstützt durch bestimmte Hausaufgaben, zu konkreten Veränderungen im gemeinsamen Miteinander und zur Lösung des Problems führen.

Systemische Familientherapie kann u. a. hilfreich sein, wenn

Kinder oder Jugendliche

  • in ihrer Entwicklung verzögert sind,
  • häufig krank sind oder allergisch reagieren,
  • sich schwer von den Eltern trennen können,
  • einnässen oder einkoten,
  • nicht spielen können, stereotypes oder zwanghaftes Verhalten zeigen,
  • den Kontakt zu anderen Kindern oder Jugenlichen meiden,
  • häufig in Konflikte geraten und aggressives Verhalten zeigen,
  • hyperaktiv sind und Gefahren nicht einschätzen können,
  • sich schwer konzentrieren können,
  • Schulleistungsprobleme haben oder schulvermeidendes Verhalten zeigen,
  • häufig Grenzen übertreten und keine Regeln akzeptieren,
  • sich selbst verletzen,
  • zu viel oder zu wenig essen oder Erbrechen herbeiführen,
  • Drogen oder übermäßig Medien konsumieren,
  • lügen, stehlen oder Dinge zerstören.

Eltern

  • sich mit der Erziehung der Kinder überfordert fühlen,
  • häufig in Konflikte miteinander geraten,
  • sich in Erziehungsfragen schwer abstimmen können,
  • getrennt leben und Verständigungsprobleme haben,
  • Konflikte mit Lehrern, Erziehern oder dem Jugendamt haben.
  • Familienmitglieder psychische Symptome entwickeln.

die Familie

  • unter äußeren Belastungen leidet,
  • Nachwuchs bekommt oder sich verändert,
  • einen schweren Verlust erlitten hat,
  • in existentielle Notlagen gerät,
  • Schwierigkeiten mit einer Patchwork-Situation hat,
  • unter Geschwisterrivalitäten leidet,
  • Konflikte mit Außenstehenden und Verwandten hat,
  • Angehörige pflegebedürftig werden,
  • Erbstreitigkeiten oder Sorgen um den Familienbetrieb belasten.

Konditionen

Die Kosten für eine Systemische Therapie werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen oder Beihilfestellen übernommen und müssen von den Klienten selbst getragen werden.

Systemische Familientherapie und -beratung (90 Minuten)

120,00 €